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Leadership’s Greatest Secret

2012 August 9

Ausgustinus

Was zeichnet eine erfolgreiche Führungskraft aus? Eine Frage, die schon große Denker in der Antike beschäftigt hat.

»In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.« Augustinus, Bischof von Hippo.
Was ist die zentrale Eigenschaft einer erfolgreichen Führungskraft? Wer das Zitat von Augustinus falsch versteht, könnte annehmen, dass sie vor allem motivierend sein muss. “Ich muss meine Mitarbeiter dazu bewegen, das Richtige zu tun”, sagte mir in diesem Sinne kürzlich ein Betriebsleiter eines Industrieunternehmens. Ich schaute ihn fragend an: “Wie machst du das?” Zunächst verstand er meine Frage nicht, denn er erzählte mir, mit welchen Incentives, Tools und letztlich auch mit Anweisungen er für die Erreichung der Unternehemsziele sorgte. “Ich bin 34 Jahre in dem Geschäft, da kenne ich mich aus.”
Gleichzeitig erzählte er von seinen Schwierigkeiten nach der Übernahme der Firma durch einen Finanzinvestor.
Die Zielvorgaben und Erwartungen seien unrealistisch für diese Branche, niemand aus der neuen Muttergesellschaft verfüge über Erfahrungen in diesem neuen Industriezweig. “Die Glaubwürdigkeit dieser Herren ist nicht besonders hoch, denn keiner von ihnen hat je gemacht, was sie nun von uns verlangen.” Und plötzlich war ihm klar, was gute Führungskräfte ausmacht: Sie verfügen über Glaubwürdigkeit.
»Leaders tap into people’s hearts and minds, nor merely into their wallets,« lautet die Erklärung von James Kouzes und Barry Posner, Autoren des Klassikers The Leadership Challenge. Frei übersetzt lautet der Satz so: »Führungspersönlichkeiten berühren Herz und Seele ihrer Mitarbeiter, nicht nur ihr Lohnkonto.« Unternehmen, die dies tun, sind beliebter bei ihren Mitarbeitern, sie aber sind auch wirtschaftlich erfolgreicher. Das ist nicht nur das Credo von Thomas Derale, des fiktiven besten Chefs der Welt aus John Strelecky’s Big Five for Life Konzept. Es ist auch die Erkenntnis einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group.
Was das mit Augustinus zu tun hat? Nun, er hat genau dazu gemahnt: um die Herzen der Menschen zu erreichen, die ich inspirieren und begeistern möchte, muss ich dieselbe Leidenschaft vorleben. Sonst leidet meine Glaubwürdigkeit. Motivation ist intrinsich begründet, kommt also aus einem Menschen heraus und kann nicht von außen vorgegeben oder induziert werden. Als Führungspersönlichkeit muss ich also mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu muss ich erstens wissen, worin das Ziel besteht. Ich muss den Zweck der Existenz der Organisation kennen, die ich führe. Und ich muss eine Beziehung zwischen diesem ZDE und meinem eigenen, zwischen den Big Five for Life der Firma/Abteilung und jenen Dingen erkennen lassen, die für mich wirklich zählen.
Es müssen (und werden) nicht die selben Big Five sein der Menschen, die ich führe. Das ist auch nicht notwendig, denn die anstehenden Aufgaben sind ebenfalls nicht identisch mit meinen eigenen Aufgaben in der Organisation. Aber der Zusammenhang zum ZDE und dem Big Five for Life des Unternehmens muss auf einer emotionalen Ebene spürbar und glaubwürdig sein. Nur dann kann ich erwarten, dass meine Leute mit der selben Leidenschaft bei ihrer Sache sind wie ich bei meiner. Und nur so kann ich Menschen bewegen. Indem ich mich selbst bewege und sichtbar für die – in dieser Hinsicht – gemeinsame Sache brenne.

PS: Glaubwürdigkeit ist übrigens nicht nur die wichtigste Eigenschaft von Fühungskräften in der Wirtschaft. Auch in der Schule, im Verein oder in der Familie muss glaubwürdig sein, wer erfolgreich führen will.