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“Ehrenamtliches Engagement kann ein wunderbarer Weg sein, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die dem Leben einen Sinn geben”

2012 August 7
Foto: Guido Rottmann

Seit je her habe ich eine besondere Beziehung zur Gemeinnützigkeit. Bis vor einem Jahr konnte ich diese Beziehung nicht recht einordnen. Erst als ich im vergangenen Jahr sowohl meine eigenen Big Five for Life entdeckte als auch mit dem Big Five for Life Coaching begann, wurde mir einiges klar:

Etwas gemeinnütziges tun, sich für die Gemeinschaft einsetzen,  das ist etwas, was tief verankert in den Menschen sitzt. Mit der Entdeckung der Big Five for Life kommt diese Erkenntnis bei den meisten Menschen an die Oberfläche.

Als ich Johns drittes Buch “The Big Five for Life – was wirklich zählt im Leben” voller Begeisterung las (es war mein erstes Buch von ihm), sah ich – aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit ganz klar die Übertragbarkeit des Big Five forLife – Konzeptes auf gemeinnützige Organisationen. Dieser Gedanke war Ursprung meiner Idee, mich als Big Five for Life Coach zertifizieren zu lassen.

Um so mehr hat es mich erfreut, dass das Fundraiser Magazindas Branchenmagazin für Spendenmarketing, Stiftungen und Sponsoring (Fachmedium des Jahres 2012 beim deutschen Fachpresseaward) in diesem Frühjahr auf mich zukam und sein Interesse an einem Interview mit John P. Strelecky bekundete.

Das Interview, das ich gemeinsam mit unserem Traumdoc Uwe Alschner (verantwortlich für die Übersetzung und Transkription) mit John P. Strelecky im vergangenen Mai geführt habe, ist nun vor kurzem herausgekommen. Bis das Interview online in einigen Wochen verfügbar ist,  möchte ich Euch Ausschnitte des Interviews hier im Blog präsentieren. 

Das ganze Interview könnt Ihr auf Anfrage bei mir unter fs(at)mybig5(Punkt)de als pdf erhalten oder in einigen Wochen online unter http://www.fundraiser-magazin.de/ abrufen.

An Uwe Alschner tausend Dank für seine großartige Unterstützung!

Das Interview trägt den Titel “Ehrenamtliches Engagement kann ein wunderbarer Weg sein, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die dem Leben einen Sinn geben” 

Was mich nun immer interessiert hat ist das, was wir in tausenden von Vereinen landauf, landab beobachten können: Die Menschen engagieren sich für “ihren” Verein. Es sind Menschen, denen die Begeisterung ins Gesicht geschrieben ist, Tage und Nächte für ihren Verein hergeben, an allen Sitzungen teilnehmen, Kuchen backen, Feste vorbereiten, Texte für das Internet verfassen, als Trainer die Nachwuchsfußballer betreuen, den Verkaufsstand aufbauen, die Öffentlichkeitsarbeit begleiten und vieles, vieles mehr.

Es gibt zudem die Art Mensch, die gerne für “ihren” Verein etwas tun, sich aber z.B. auf ein Engagement bei Veranstaltungen beschränken. Es sind oft diejenigen, auf die man sich im Fall des Falles verlassen kann.

Und ohne den Anspruch auf Vollzähligkeit zu erheben,  gibt es noch ein dritte Art des Vereinsmitgliedes:  nämlich jene Menschen, die zwar auf dem Papier Vereinsmitglied sind, auch ihre Beiträge zahlen, aber eigentlich nicht weiter zu bemerken sind. Die Gründe hierfür sind sicher sehr unterschiedlich:

  • Es gibt Vereinsmitglieder, die finanzielle Förderer. Gottlob, dass es sie gibt!
  • Es gibt natürlich Karteileichen – doch von ihnen soll hier nicht die Rede sein.
  • Es gibt zudem Vereinsmitglieder, die möchten einfach nur das Angebot des Vereins nutzen und z.B. jeden Montag in die Gymnastikstunde gehen oder das Kind in den Vereinskindergarten schicken. Wunderbar, denn diese Menschen sind die Basis für ein Fortbestehen und die finanzielle Absicherung des Vereines!

Doch nicht nur, denn – wie wir alle sicher schon die Erfahrung gemacht haben – manchmal finden unter letzteren die notorischen Nörgler, die an allen Vereinsentscheidungen etwas auszusetzen haben. Oder sind es vielleicht Vereinsmitglieder, die sich – da es z.B. ein fachlich ausgerichteter Verein für eine bestimmte Berufsbranche ist – nur Aufträge erhofften und sich wundern, dass sie keine erhalten?

Mich beschäftigte die Frage: Warum ist das so? Warum gibt es diese sich sehr unterschiedlich engagierenden Vereinsmitglieder? Nun mag man antworten: “Der Mensch ist halt so”. Doch das ist mir zu wenig. Da ich ein Mensch bin, der gerne das Gute im Menschen sucht, und Sachverhalte von der positiven Seite aus betrachtet, führte mich meine Frage nach dem “Warum” zur ersten Frage im Interview mit John für das Fundraiser Magazin.

Friederike Seiffert: ”John, viele Menschen engagieren sich unentgeltlich und mit großem zeitlichen Einsatz für gemeinnützige Organisationen. Ist es sinnvoll, so etwas zu tun?”

John P. Strelecky: “Es kommt darauf an. Wenn einer Person die Investition ihrer Zeit viele fantastische Minuten von dem beschert, was ich “Big Five for Life” genannt habe, dann macht das absoluten Sinn. Wenn das Engagement aber einer sozialen, kulturellen oder familiären Verpflichtung entspringt, macht solches Engagement gar keinen Sinn. Weil diese Menschen das, was sie tun, aus den falschen Gründen heraus tun – und weil sich dies auch im Ergebnis ihrer ehrenamtlichen Bemühungen niederschlägt.”

Und was entdecke ich in Johns Antwort? Na klar: Es ist unter anderem eine Antwort auf meine Frage nach dem kleinen Unterschied in den Vereinsmitgliedern. Dann, wenn das Herz mitschwingt, dann ist das Engagement groß!

Wie erhalte ich dann als Verein - oder allgemein als gemeinnützige Organisation – Mitglieder mit Herz? Was muss ich tun?

Friederike Seiffert:Demnach sollte im Umgang mit den Mitgliedern etwas verändert werden?”

John P. Strelecky: “Das Interesse der NPOs sollte darauf ausgerichtet sein, die Qualität der ehrenamtlichen Leistung zu steigern. Eine 100 prozentig motivierte Person zu führen ist wesentlich einfacher als zehn Zehnprozenter. Wenn sie zehn Freiwillige haben, die sich nur aus den genannten Zwängen heraus engagieren, aber nicht, weil es ihnen Erfüllung beschert, dann werden sie nur einen Bruchteil der Leistung abrufen, wie bei einer Person, die dieses ehrenamtliche Engagement persönlich erfüllt. Darum, um das “was wirklich zählt im Leben” eines Menschen, geht es bei den Big Five for Life. Und ehrenamtliches Engagement kann ein wunderbarer Weg sein, um sich mit den Dingen zu beschäftigen, die dem eigenen Leben einen Sinn geben.”

Leistungssteigerung. Das klingt nach Unternehmen. Interessant, denn in meiner Arbeit mit Vereinen, erlebte ich immer genau hier die Bremse. Eine Aussage eines Vereinsmitgliedes ist mir noch genau in Erinnerung. “Wir wollen gar nicht professionell arbeiten! Wir machen das hier alles nur ehrenamtlich. Neben dem Beruf dient der Verein als Erholung. Wenn wir uns hier professionalisieren, dann bleiben uns die Vereinsmitglieder weg, weil sie keine Lust darauf haben!”

John, dessen Ansatzpunkt in “The Big Five for Life – Was wirklich zählt im Leben” die Betrachtung eines Unternehmens war, trifft in unserem Interview den Kern, der für gemeinnützige Organisationen von schwerwiegender Bedeutung sein dürfte: In dem Moment, wenn die gemeinnützige Organisation sich auf die Menschen konzentriert, die Erfüllung im ehrenamtlichen Engagement finden, dürfte es keine Frage sein, sich zu Professionalisieren: Denn diese Mitglieder werden sich mit Begeisterung für die Umsetzung von Organisationszielen einsetzen. Sie leben dafür.

Übrigens: Johns Aussage “wenn das Engagement aber einer sozialen, kulturellen oder familiären Verpflichtung entspringt, macht solches Engagement gar keinen Sinn. Weil diese Menschen das, was sie tun, aus den falschen Gründen heraus tun” empfinde ich als ziemlich hart. Aber wenn ich ehrlich bin, hat er Recht! Denn diese Menschen werden, ob bewusst oder unbewusst, ob nur manchmal oder immer wieder, diejenigen ausbremsen, die sich voller Engagement für die Umsetzung des Vereinszwecks einsetzen. Und genau das kostet enorm viel Energie.

 

 

 

Pressefoto: Guido Rottmann

  • Pingback: Fellow Traveler

  • http://traumdoc.de/ Traumdoc Uwe Alschner

    Hallo Friederike, 
    danke für deine Idee mit dem wunderbaren Interview! 
    Vielleicht kann ich dir und dem einen oder der anderen Leserin helfen. Du schreibst: 

    »Übrigens: Johns Aussage “wenn das Engagement aber einer sozialen, kulturellen oder familiären Verpflichtung entspringt, macht solches Engagement gar keinen Sinn. Weil diese Menschen das, was sie tun, aus den falschen Gründen heraus tun” empfinde ich als ziemlich hart. «

    Klingt es immer noch hart, wenn du “Verpflichtung” durch “Zwang” ersetzt oder durch “Erwartung”? Denn das sind weitere mögliche Bedeutungen des Wortes “Obligation”, welches John benutzt hat. 
    Gemeint ist ja: Wenn man es nur tut, um anderen zu gefallen, dann macht es keinen Sinn. Dann erfüllt man (vielleicht) ein Big Five for Life eines anderen, aber nicht sein eigenes.