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Raum für persönliches Wachstum

2012 Juli 24

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Die letzten Tage vor den Ferien sind immer hektisch und stressig. Diese ganz besonders. So viele Dinge liegen gefühlt auf meinem Schreibtisch und wollen geregelt und entschieden werden. Da spricht mich meine Tochter an und möchte Aufmerksamkeit. In einer Millisekunde widerstehe ich dem Impuls, ihr zusagen, dass ich keine Zeit habe. Statt dessen erinnere ich mich an diesen Satz: »Zwischen Reiz und Reaktion ist immer ein Raum.« Er stammt von Stephen R Covey, dem Erfinder der “7 Wege zur Effektivität”. Covey ist in dieser Woche gestorben, aber sein Werk lebt weiter. Und der Satz ist zutreffend.
In jeder Situation haben wir die Macht, eine Entscheidung zu treffen. Jeder Mensch kann das.

Nämlich die Entscheidung, den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu erkennen und auszufüllen. Was zunächst nichts weiter bedeutet als ein Bewusstsein zu bilden, dass sich unsere Situation geändert hat: wo wir bis eben nur mit uns selbst beschäftigt waren, mit unseren Problemen und Herausforderungen, ist nun eine neue, zusätzliche. Ein Reiz, der neue Information beinhaltet. Vielleicht ein Kind, was Aufmerksamkeit verlangt und bittet, dass wir etwas mit ihm unternehmen.
“Ich schaffe momentan gar nichts,” sagte mir passend dazu eine junge Mutter. Sie fühlt sich in einer schwierigen Situation. “Ich schwanke in meinen Gedanken, fühle mal so und mal so. Und wenn ich nachdenken will, quängelt das Kind.”

Zwischen Reiz und Reaktion ist immer ein Raum, sagt Covey.

In der Safari des Lebens gibt es einen Satz der dazu passt: »Nichts geschieht ohne Grund.« Gemeint ist damit auch, dass wir uns die Freiheit nehmen dürfen, den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu erkennen und auszufüllen. Vielleicht gelingt es dabei bereits, im Innehalten den Grund, den Sinn oder die Bedeutung eines Ereignisses zu erkennen und die passende Handlungsoption zu wählen.

Manchmal gelingt das nicht, besonders wenn Situationen komplexer sind. Dann besteht der Raum vielleicht darin, einfach mal dem Reiz Beachtung zu schenken und sich ablenken zu lassen. Ins Hier und Jetzt zurück zu kehren, anstatt sich in Gedanken alle möglichen hypothetischen Szenarios zu überlegen, was passieren könnte. Zu erkennen, dass das Kind nicht quängelt, sondern auf seine Weise signalisiert: “Mama, ich hab’ das Gefühl, du kommst da so nicht weiter. Spiel mal mit mir, dann ist dein Kopf nachher wieder frei.”
In dieser Situation macht es nicht nur keinen Sinn, das Kind zu vertrösten. Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in immer kürzeren Abständen wieder kommen und um so energischer um Aufmerksamkeit bitten.
Indem wir die Situation annehmen und den Raum zwischen Reiz und Reaktion erkennen, wachsen wir auch in unserer persönlichen Entwicklung. Wir werden nicht nur der Elternrolle gerecht, sondern gewinnen Abstand zur Situation, die uns zuvor bewegt und gestresst hat. Und dieser Abstand wirkt sich meist positiv aus auf die Lösungskompetenz.
So war das such bei mir. Meine Tochter hat mich überredet, einen Radschlag zu probieren.