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Der Wert der Vielfalt

2012 Januar 18

Vielfalt macht stark

Jetzt wird es aber Zeit! Wer kennt es nicht, dieses schlechte Gewissen, was uns plagt, wenn wir einer übernommenen Aufgabe nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken? Bei mir ist dieses Gewissen in den vergangenen Tagen immer lauter zu Wort gekommen. Es hat mir schon beim Aufstehen Sätze zugerufen wie diesen: “Und? Willst du mich heute weiter vernachlässigen?” Die Stimme in meinem Kopf war so laut, dass ich jeden Moment erwartet habe, dass meine Kinder sich schlichtend einschalten und mich ermahnen könnten: “Papa, jetzt kümmer dich mal! Schreib mal wieder für mybig5.de”

Zum Glück haben sie es nicht getan. Ich hätte nicht gewusst, wie ich diesen Kreis hätte quadrieren sollen. Kreisten meine Gedanken doch vier Wochen lang fast ausschliesslich um Politik. Und Politik, das hatte ich mir versprochen, sollte in den Big Five for Life keine Rolle spielen. Jedenfalls nicht diese Art von Politik, wie sie herkömmlich zelebriert wird: Mit Angriffen und Unterstellungen. Mit dem Vorsatz zu schaden. Einem Vorsatz, der in den vergangenen Wochen überdeutlich herauszuhören war in den Vorwürfen gegen Bundespräsident Christian Wulff.
Nein, ich werde zu diesem Thema hier keine weiteren Ausführungen machen. Wen der Fall interessiert, kann sich hier ein eigenes Bild machen. Ich möchte hier über den Wert der Vielfalt schreiben. Eine Vielfalt, die die Grundlage des Big Five for Life Konzeptes ist. Weil sie gleichzeitig Voraussetzung und Erklärung dafür ist, dass Erfolg ein höchst individuell definierter und einzigartiger Begriff ist, der sich nicht homogenisieren lässt.
Wir haben unterschiedliche Gaben und Talente in die Wiege gelegt bekommen. Und wir machen jeweils ganz eigene Erfahrungen in unserem Leben, die auch unsere Persönlichkeit prägen. Weil nicht einmal eineiige Zwillige genau gleich sind, lässt sich auch nicht vorgeben, was Erfolg ist und was nicht. Jeder Mensch entscheidet für sich, was wirklich zählt im Leben. Es kann sich ähneln mit dem, was mein Bruder, Nachbar oder meine Mutter, mein Chef, der Papst oder die Bundeskanzlerin für wichtig halten. Doch es wird niemals genau dasselbe sein. Und das ist auch gut so! Sonst wäre es schrecklich langweilig.
Zum Glück sind wir verschieden. Die Unterschiedlichkeit von Begabungen, Erfahrungen und Vorlieben ist die Quelle, aus der sich Fortschritt speist. Wir entwickeln unterschiedliche Fertigkeiten, die sich dann vom Individuum auf die Gemeinschaft übertragen und von ihr nutzen lassen. Nichts anderes ist damit gemeint, wenn Ma Ma Gombe in der Safari des Lebens dem “jungen Jack” erklärt, dass mit jedem Erfolg ein neuer “Wer” entsteht, der anderen mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen helfen kann, ein Ziel zu erreichen.
Leider ist sich die Gesellschaft bisher noch nicht wirklich klar darüber, wie diese Unterschiedlichkeit bewertet, erhalten und nutzbar gemacht werden kann. Freiheit statt Sozialismus lautete zwar einst ein Wahlkampfslogan gegen die totale Gleichmacherei des Kommunismus. Der ist mittlerweile zumindest aus Europa verschwunden und hat vorübergehend einem Überlegenheitsgefühl Platz gemacht. Doch was der Wert der Freiheit tatsächlich beinhaltet, ist dem freien Westen ziemlich unbewusst geblieben. Konsum ist eines der wenigen Phänomene, die tatsächlich frei im Sinne von enthemmt gelebt werden. Aber sonst? Wie bereiten wir unsere Kinder darauf vor, sich in einer freien Welt zu entfalten? Indem wir sie – zumindest in Deutschland – in einem sehr starren Schulsystem mit wenig innovativen Mitteln frontal unterrichten. Frontal. In der Regel werden deutsche Schüler heute immer noch in einer Weise belehrt, wie es schon unsere Großeltern erfahren haben: der oder die Lehrerin steht vorne und zieht den Stoff durch, der sich alle paar Jahre verdoppelt. “Wenn alles schläft und einer spricht, so nennt man dieses Unterricht,” spotteten bereits die 68er. Überhaupt ist das schon das Verb vielsagend: unterrichten. Eine sehr einseitige Kommunikation ist das, was damit gemeint ist. Eine Unterrichtung vollzieht sich zwischen hierarchisch gegliederten Beteiligten. Ursprünglich wurde Herrschaftswissen dosiert und willkürlich abgegeben. Taugen diese Modelle der Agrar- und Industriegesellschaft noch in der Informationsgesellschaft, in der heute schon viele Schüler ihren Lehrern nicht nur in puncto Handhabung von elektronischen Medien überlegen sind.
Das ist keine Anklage der Lehrerschaft! Es ist eine Feststellung, die dazu ermuntern möchte, eine neue Haltung zu aktuellen Fragestellungen einzunehmen. Es gibt heute kein Herrschaftswissen mehr. Zugang zu und Anwendung von Informationen sind frei wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Kein Mensch ist in der Lage, alles zu wissen. Ist es da nicht an der Zeit, auch das Konzept dessen zu überdenken, was den Lernerfolg beschreibt? Erfolg ist individuell verschieden. Wie kann dann Lernerfolg standardisiert werden?
Inklusion ist ein Ansatz, der diese Frage nach dem Lernerfolg für Schüler neu definieren möchte. In einer Buchbesprechung über Inklusion las ich heute diesen Satz, der mich im Sinne der Big Five for Life Konzeption mit großer Hoffnung erfüllt:

»„Wir sind alle verschieden verschieden“. Schüler nehmen sich in heterogenen inklusiven Klassen sehr deutlich in ihrer Verschiedenheit wahr – aber sie hören auf, dies abzuwerten, sondern beginnen etwas, das ganz selbstverständlich sein sollte, es aber lange noch nicht ist: Verschiedensein als interessant und „normal“ zu empfinden.«

Das Merkmal der Verschiedenheit übrigens war es, welches mich indirekt über die letzten Wochen re-politisiert hat. Vielfalt, Meinungsvielfalt gar, kam kaum vor, in jenem Streit. Zu einfältig war die Darstellung. Zu klar das Urteil über einen Menschen, den ich persönlich kennen gelernt habe. Warum ich mich nicht trotzdem abgewendet habe von jener unschönen Welt und meine eigene Realität im Sinne der Big Five for Life erzeuge, fragte mich ein Leser. Wenn er eine stachelige Palme in der Nähe gehabt hätte, ich hätte ihn gebeten, sie fest zu umarmen, um zu erkennen, dass das die Realität war. Und um sie zu verändern, hätte ich mich hinsetzen und wünschen können, dass uns (die Demokratie) die hungrigen Löwen (die Presse) nicht fressen mögen. Ich entschied mich dafür, dem Universum zu zeigen, dass ich meinen Teil zu tun bereit bin und sammelte Dornenbüsche. Und schrieb, um mitzuteilen, was ich weiß. Das habe ich getan!