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Alles nur Schauspielerei!

2011 Oktober 19

Vor wenigen Wochen habe ich an dieser Stelle einen Beitrag über die Ursache für zahlreiche Zuschriften und Bestellungen der Big Five for Life Bücher aus Österreich veröffentlicht. Und diese Ursache war leicht zu finden: Ö3, einer der reichweitenstärksten Radiosender hatte in Person von Claudia Stöckl ein Interview mit Marlene Krenn gesendet, in der die junge Oberösterreicherin am Ende des Beitrags in einem kleinen Audio-Fragebogen ihre Begeisterung für das Buch The Big Five for Life bekannte.
Heute steht fest, dass Marlene Krenn nicht, wie damals auch im Interview dargestellt, die Mentaltrainerin von Formel Eins Doppelweltmeister Sebastian Vettel war. Ob sie in Wirklichkeit hereingelegt wurde, oder ob sie eine Trittbrettfahrerin ist, die eine falsche Realität konstruiert hat, wird derzeit oft spekuliert. Aber lohnt das den Aufwand?
Es ist mir an dieser Stelle wichtig darauf hinzuweisen, dass wir selbst bestimmen, welche Bedeutung ein Ereignis in unserem Leben hat. “Nichts geschieht ohne Grund”, lautet auch die erste Zeile des damaligen Beitrags hier im Blog. Was ist damit gemeint?

Erfolg ist subjektiv. Wir allein bestimmen, was Erfolg für uns bedeutet. Das Leben bietet uns alle Möglichkeiten, diesen Erfolg zu erreichen. Alles, was wir tun, sehen oder erleben, hat in diesem Sinne eine Bedeutung: Es bringt uns unserem Ziel entweder näher, oder es entfernt uns davon. So betrachtet haben selbst “Misserfolge” einen Sinn: sie bieten uns die Chance zum Innehalten. Bin ich auf dem richtigen Weg? “Erfolg” ist in jedem Fall sicher, denn es erfolgt immer eine Situation aus der vorhergehenden. Sogar “Unterlassen” hat Erfolg. Entscheidend ist also nicht die Frage, ob ich Erfolg hatte, sondern: ist der “Erfolg” auch das, was ich eigentlich angestrebt habe? Denkbar ist, dass ein Ereignis finanziell höchst “erfolgreich” gewesen ist, obwohl es nichts mit einem meiner Big Five for Life zu tun hatte, vielleicht sogar kontraproduktiv war.
Diese Frage wird sich Marlene Krenn möglicherweise aktuell stellen, die zwischenzeitlich allein dadurch, dass sie als Mentaltrainerin von Sebastian Vettel galt, finanziell höchst erfolgeich gewesen ist und auch in der Öffentlichkeit aus diesem Grund hoch angesehen war. Für Sie müssen die herabsetzenden Kommentare und Strafandrohungen, denen sie sich nun öffentlich ausgesetzt sieht, sehr schmerzvoll sein. Besonders dann, wenn sie tatsächlich keinen Betrug beabsichtigt hatte und nun öffentlich beschädigt ist.

Aber auch andernfalls ist es wichtig, innezuhalten. Warum regen wir uns auf, wenn tatsächlich Marlene Krenn nicht am Gewinn der zweiten Weltmeisterschaft von Sebastian Vettel beteiligt war? Wenn sie möglicherweise keine Spitzensportler zum Sieg gecoacht haben sollte, auch nicht die spanischen Fußballweltmeister? Aus Sicht der Big Five for Life Konzeption ist alles, was uns widerfährt, Schauspielerei. Es ist absolut sinnlos, sich darüber aufzuregen. Wie bitte?
Leser der Safari des Lebens werden sich erinnern: Im Kapitel 15 erklärt Ma Ma Gombe dem jungen Jack, wie sie gelernt hat, mit der Misshandlung duch ihren Mann und dem Verlust ihres Kindes klarzukommen. Indem sie das Leben wie ein Schauspiel zu betrachten lernte. Ein Schauspiel, indem alles, was uns widerfährt, nur aus diesem einen Grund geschieht: Damit wir etwas daraus lernen. Die Begegnungen in unserem Leben sind in diesem Modell nur Begegnungen mit Schauspielern, die eine Rolle ausfüllen. Dabei gibt es Publikumslieblinge, denen unsere Herzen zufliegen, und es gibt Tyrannen und Fieslinge, die wir verachten. Doch es sind nur Schauspieler. Sie spielen eine bestimmte Rolle. Eine Rolle nur für uns. Sie tun uns damit einen Gefallen, weil sie uns helfen, unser Leben zu verstehen. Besonders dann, wenn sie unsympathische Rollen spielen, die eigentlich niemand übernehmen möchte. Rollen wie ein Betrüger, oder ein Hochstapler. Rollen, die uns lehren, Menschen und Ideen für das zu nehmen, was sie sind. Und nicht für das, was andere in ihnen sehen.
Nichts geschieht ohne Grund. Ich bin Marlene Krenn dankbar. Sie hat dazu beigetragen, dass die Big Five for Life in Österreich bekannter wurden. Ob sie um ihrer selbst willen in die Radiosendung eingeladen wurde (nachdem die Moderatorin Claudia Stöckl sie zuvor persönlich erlebt hatte, scheint mir das absolut naheliegend zu sein), oder nur, weil sie für die vermeintliche Mentaltrainerin von Sebastian Vettel gehalten wurde (was ein Armutszeugnis für jede gute Redaktion wäre), kann ich nicht beurteilen. Es ist mir auch egal. Genau so wie es mir egal ist, ob John Strelecky ein Beststellerautor ist oder nicht. Wenn er es ist, freut mich das. Aber das Big Five for Life Konzept ist es, was mir wichtig ist. Und das betrachte ich danach, was es ist: eine wirklich leicht anwendbare Sicht auf das Schauspiel meines Lebens. Und da führe ich die Regie!