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Ich weiss nicht, wo wir hinfahren … Und das macht keinen Spass.

2011 Januar 13
John Strelecky

Ich danke für die Gelegenheit, dass Uwe mich zu einem Gast-beitrag hier auf seinem Blog eingeladen hat. Da wir am Anfang eines neuen Jahres stehen und in neue Abenteuer aufbrechen, habe ich mir gedacht, dass ich diesen Post entsprechend an dieses Thema anlehne.

Als ich noch ein Kind war und wir mit dem Auto auf Reisen (im Urlaub) waren, sagte mein Vater immer, wenn wir uns verfahren hatten: “Ich weiß nicht, wo wir hinfahren, aber wir kommen gut voran.

Das hat mich immer zum Lachen gebracht. Ich weiß nichtmal warum. Ich denke, schon damals war die Idee, einfach weiter zu fahren (nach vorne) und keine Ahnung zu haben, wohin man fährt, dermaßen unlogisch, dass es schon wieder lustig war.

Heutzutage – als Erwachsener und vor allem als Autor und Redner – sehe ich viele Menschen, die in dieser Hinsicht ein Problem haben.

Ich sehe sehr viele Menschen, die die Straße hinunter rasen, ohne zu wissen, wohin sie fahren. Nur dass heute, wo ich diese Menschen so beobachte und entsprechend ihre emotionalen Reaktionen zu dieser Realität sehe, “lustig” nicht gerade das passende Attribut ist.

Es geht auch nicht darum, dass die Leute heute nicht “voran kommen” was in der heutigen Zeit so viel bedeutet wie: “Sie sind nicht untätig” – Sie machen alle möglichen Dinge.

Tatsächlich ist das Leben vieler Menschen heute so vollgepackt mit Aktivitäten, Pflichten und Aufgaben, dass es anfängt, sie zu überfordern. Das ist auch nicht sehr lustig… Schließlich wird sogar die Energie des Aktivseins von der Überforderung aufgezehrt – und ganz andere Emotionen fangen an das Leben der Menschen zu bestimmen.

Sie fangen an sich traurig, depressiv unerfüllt, und oft… sehr verloren zu fühlen. Ein Verlorensein, was nicht dadurch gelöst wird, indem man darin voran kommt, viele sinnlose Aktivitäten zu verrichten.

Ein Teilnehmer auf einem meiner ersten Vorträge hat mir einmal ein sehr beeindruckendes Buch empfohlen. Es heißt: “… Trotzdem Ja zum Leben sagen” von Viktor Frankl.

(Anmerkung: die komplette Liste der Bücher von Viktor Frankl findet sich hier. Über Frankl und sein Werk ist auf diesem Blog verschiedentlich geschrieben worden.)

Frankl war während des zweiten Weltkrieges Gefangener in Nazi-Konzentrationslagern. Er war ursprünglich als Psychiater ausgebildet worden und obwohl er in dem KZ selbst um sein Überleben kämpfen musste, konnte er nicht anders, als auch aus ärztlicher Perspektive zu beobachten, was mit seinen Mithäftlingen geschah.

Er sagte, daß man immer erkennen konnte, wenn jemand kurz davor war zu sterben. Ein paar Tage zuvor gaben sie auf. Weder Durchhalteparolen der anderen Gefangenen noch Drohungen der Wachen hatten irgendeine Wirkung. Sie bewegten sich nicht mehr aus ihrem Gefängnisbett und ein paar Tage später starben sie.

In seinem Buch spricht er von zwei maßgeblichen Faktoren, die bestimmen, ob Leute aufgeben.

Der erste war die Zeitkomponente. Die Menschen in dem Lager wussten nicht, ob diese Erfahrung 10 weitere Monate, 10 weitere Jahre oder den Rest ihres Lebens andauern würden. Diese Ungewissheit bezüglich des Endes ihres Schicksals war ein Schlüsselfaktor, der dazu beisteuerte, dass sie aufgaben.

Frankl war überzeugt, dass viele durchgehalten hätten, wenn sie gewusst hätten, wie lange sie noch in dieser Situation ausharren müssen – selbst wenn diese noch 10 Jahre angedauert hätte.
Die Ungewissheit jedoch war dermaßen überwältigend, dass sie aufgaben.

Der zweite Faktor war die Fähigkeit des Gefangenen, sich selbst jenseits dieser Situation zu sehen.

Die Überlebenden waren in der Lage, sich vorzustellen, dass sie ihre Situation überstehen und danach Dinge tun würden, die ihnen Freude bereiten.

Sie konnten sich in Gedanken selbst sehen beim Angeln, beim Gärtnern, als Doktor in ihrer Praxis, ihren Liebsten umarmend… was auch immer die Dinge waren, die sie tun wollten.

Diejenigen, die sich nicht außerhalb dieser Situation im KZ sehen konnten (also nicht eine positive Situation visualisieren konnten), gaben auf und starben dann.

Fankls Buch ist auf mehreren Ebenen sehr kraftvoll. Es justiert deine Frustrationstoleranz neu. Nach der Lektüre sehen die Menschen ihre “Probleme” in einem ganz neuen Licht. Mir ging es jedenfalls so.

Dies alleine ist maßgeblich, wie wir in ein neues Jahr blicken. Als ich es gelesen habe, brachte es mir eine weitere spezielle Erkenntnis für meine Arbeit. Ich lehre etwas, was “Big Five For Life” heißt.

Es ist ein von mir erstelltes Konzept basierend auf einer Erfahrung, die mein Leben veränderte, als ich mit meiner Frau auf einer Rucksacktour durch Afrika war.
Ich beschreibe und erkläre es detaillierter in meinen BüchernSafari des Lebens” und “Big Five For Life – was wirklich zählt im Leben“, um die es auch in diesem Blog geht.

Ich gebe Euch hier die 30-Sekunden Version von den Big Five For Life:

Stell dir vor, dass Du die fünf Dinge wüsstest, die Du am liebsten in Deinem Leben machen, sehen oder erfahren möchtest? Diese Dinge, die – wenn Du sie gemacht, gesehen oder erfahren hättest – Dir an dem Tag deines Todes, wenn du dein Leben rückblickend betrachtest, das Gefühl geben würden, es richtig gemacht zu haben.

Dass dein Leben ein Erfolg war, basierend auf der einzig wahren Skala für Erfolg auf die es ankommt – Deiner eigenen Definition.

Und was wäre, wenn du deine Big Five for Life kennst und Du anfangen würdest jeden Moment Deines Lebens darauf auzurichten?

Deine Aktivitäten, Deine Gedanken, Dein Glaube – sie alle helfen Dir, Deine Big Five for Life Realität werden zu lassen. Und da war ich – reise um die Welt, um die Big Five for Life zu lehren und lese “ … Trotzdem Ja zum Leben sagen“.

Und Rummms! – hat es mich erwischt.

Die gleichen emotionalen Abläufe, die Frankl in den Lagern gesehen hat, passieren auch heute. Nur zu einem unterschiedlichen Grad. Leute, die Probleme haben ihre Big Five for Life oder ihren ZDE (Zweck der Existenz) zu finden, wie ich es in dem Buch “Café am Rande der Welt” beschreibe, haben das zweite Symptom, was Frankl in seinem Buch anspricht.

Ihre jetzige Situation/Lage entspricht nicht dem, was sie wollen, und sie können sich auch nicht vorstellen, wie sie die Dinge tun, die sie tun wollen,

WEIL SIE NICHT WISSEN, WAS DIESE DINGE SIND !

Sie haben kein klares Bild davon, wie die bessere Wirklichkeit aussieht.

Das erste Symptom spielt auch eine Rolle. Da sie nicht wissen, wie die bessere Wirklichkeit aussieht, und sie den Weg nicht kennen, diese bessere Wirklichkeit zu finden, wissen sie nicht, wie lange es dauern wird bis sich ihre Situation zum besseren wandelt. Es könnte zehn Monate dauern, zehn Jahre oder nie passieren.

Wem kommt das bekannt vor?????

Nun, die Leben der Leute heute sind nicht ansatzweise so schlimm wie die Umstände, unter welchen die Gefangen in den Konzentrationslagern leben mussten. Kein Vergleich. Und das ist der Grund, warum Du meistens (wenn auch nicht immer) nicht Leute siehst, die aufgeben und deren Leben dann nach ein paar Tagen später mit dem Tod endet.

Statt dessen, gibt es eine viel langsamere Abwärts-Spirale. Wenn Menschen überfordert sind, weil sie die Richtung, in die ihr Leben verlaufen soll, nicht kennen, bzw. sie gerade anfangen in diese Richtung zu gehen, fühlen sie sich oft lethargisch und depressiv. Montagsmorgens, oder zuweilen sogar jeden Morgen ist es ein Kampf aus dem Bett zu kommen. Sie werden zu Frust-Essern oder fangen an zu trinken oder andere Drogen zu nehmen, um ihre Realität zu betäuben.
Sie geben langsam auf – und um ehrlich zu sein – sie ergeben sich in einen langsamen Tod.

Sie wissen nicht wohin sie gehen – und es ist kein Fortschritt.

Wenn Du ein Persönlichkeitstrainer bist, oder aber auch in weniger formalen Situationen, einfach von Mensch zu Mensch mit Mitgefühl mit einer anderen Person in Kontakt stehst, hast Du die wundervolle Möglichkeit, einen anderen aus dieser Abwärts-Spirale zu befreien!

Ich hatte das Vergnügen, mit den unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Berufen, Kulturkreisen und aus vielen verschiedenen Ländern der Erde zu arbeiten. Und deswegen ich kann ehrlich sagen, daß es möglich ist, nur durch das Stellen der Fragen, auf die es ankommt, um die entscheidenden Informationen aus dem Unterbewußtsein in das Bewußtsein eines Menschen zu transferieren, jedem zu helfen, Klarheit über seine Big Five for Life zu gewinnen.

Oder um beim Thema dieses Beitrags zu bleiben – Du kannst Menschen in weniger als sechs Stunden helfen, herauszufinden, wohin sie gehen wollen – und auf dem Weg dahin nicht nur Fortschritte zu machen, sondern auch eine Menge Spaß zu haben!

Es ist kein sehr schwieriger oder unerreichbarer Bewusstseinszustand. Wir haben nur nie gelernt, wie man es angeht. Das war jedenfalls der Fall währen der ersten drei Dekaden meines Lebens.

Wir können unser eigenes Leben und (sofern das deine Berufung ist) das Leben anderer in eine Aufwärts-Spirale verwandeln. Eine Situation, in welcher Dinge mit der Zeit besser und besser werden anstatt schlechter.

Habe ein fantastisches Jahr 2011 und richte deine Nase immer in Richtung deiner Big Five for Life. Dann wirst du nicht nur wissen wohin du gehst, sondern auch voran kommen – und du wirst unterwegs eine Menge Spaß haben!

Copyright 2011 John P. Strelecky – Aus dem Englischen von Katrin Janssen.

  • Pingback: Udo Sonnenberg

  • http://www.dirkjakob.de Dirk Jakob

    Viktor Frankl ist für mich einer der beeindruckendsten Menschen überhaupt. Nicht nur was er geschrieben hat, sondern auch, was er nach seiner Zeit im KZ in Wien und anderen Orten geschaffen hat.

    Er ist ein Vor-Bild im wahrsten Sinne des Wortes!

    Auch das Beispiel von John Strelecky ist gut gewählt und man kann sehen, welch täglich beinahe banalen Dinge doch sooo wichtig sind im Leben. Ganz nach dem Motto “Ich weiß zwar nicht wohin es geht – aber das mit ganzer Kraft!”

    :-)

  • http://www.pega.astro-book.info Sven May

    Guten Morgen Zusammen,

    was für ein schöner Text auf einen Freitagmorgen. Dank Euch beiden kenne ich mein BIG FIVE 4 LIVE inzwischen sehr gut. Nicht dass ich sie so nicht kannte, bevor ich Euch traf – gleichwohl war ich der Meinung dass ich mir das alles für später aufheben müsse.

    Jetzt ist mir bewußt, dass ich es jetzt tun kann. Heute, hier und jetz! Danke.

    Svenekes

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  • Claudia

    Ja genauso geht es mir auch!
    Meine big 5 waren durch das (Alltags-) Leben so tief vergraben, dass ich Eure und auch die Hilfe vieler weiterer Menschen brauchte um sie ausgraben zu können.
    Jetzt wo ich meine big five for Live gefunden habe….. und es kommen sicherlich noch ein paar dazu, kann ich mein Tun gezielt darauf ausrichten.
    Das Leben ist dadurch soviel intensiver, sinnvoller, bunter und fröhlicher geworden!

    Ich danke allen, die mir auf meinem Weg bewusst oder unbewusst zur Seite gestanden haben!!

    Claudia

  • http://pina-heidrich.de Pina

    Hi,
    schöner Beitrag von John. :-)
    Das ist eine Sache, die bei Zieldefinitionen im NLP auch ein große Rolle spielt. Nämlich die Frage, wohin ein Mensch ausgerichtet ist: “Weg von” oder “Hin zu”. Oft wissen Leute nur, was sie nicht mehr wollen (weg von), aber haben maximal eine sehr nebulöse Vorstellung davon, was sie zukünftig wollen (hin zu). Das ist in etwa so, als ob ich zum Bahnhof gehe und der Mann am Schalter mich fragt, wo es hin gehen soll und ich ihm antworte: “nicht nach Wuppertal”. Das kann ich dann 10 x wiederholen und werde trotzdem keinen Fahrschein bekommen.
    In diesem Sinne, gute Fahrt :-)